Neues Hörsystem ermöglicht natürlicheres Hören

Exzellenzcluster Hearing4all präsentiert akustisch transparentes Hörsystem auf
der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e.V. (DGA) vom 10. bis 11. März 2016 in der Medizinischen Hochschule Hannover

<Oldenburg/Hannover, 10.03.2016> Viele Hörhilfen und Kopfhörer verschließen den Gehörgang, so dass Umgebungsgeräusche gedämpft und verfälscht wahrgenommen werden. Um dennoch ein möglichst natürliches akustisches Empfinden der Umwelt zur erreichen, wird in bestehenden Systemen der Außenschall mit einem Mikrofon aufgenommen und im Gehörgang über einen Lautsprecher abgeben. Dabei können die wiedergegebenen Signale mit Hilfe von standardisierten(?) Filter angepasst werden. Allerdings haben auch der verschlossene Teil des individuellen Gehörgangs zwischen innerem Lautsprecher und Trommelfell sowie durchdringender Direktschall einen Einfluss auf das subjektive Geräuschempfinden, der sich zwischen verschiedenen Nutzern deutlich unterscheiden kann. Daher weicht der individuelle Höreindruck oft deutlich von der unverschlossenen Akustik ab, sodass er als unnatürlich und damit störend empfunden wird.

Beim „Transparenten Hörsystem“, das im Exzellenzcluster Hearing4all und in der Forschergruppe Individualisierte Hörakustik an der Universität Oldenburg entwickelt wurde, wird die individuelle Akustik des verschlossenen Ohrs berücksichtigt. Über ein innenliegendes Mikrofon wird der im Gehörgang erzeugte sowie der durchgeleitete Schall überwacht und in die Modellierung des Zielsignals am Trommelfell mit einbezogen. Dadurch wird eine hohe akustische Transparenz erreicht, d.h. Außengeräusche können unverfälscht wie mit einem unverschlossenen Gehörgang wahrgenommen werden.
Da jeder Kopfhörer, bzw. jedes Hörgerät einen spezifischen Sitz in den jeweiligen Ohren des Nutzers hat und somit zu deutlich wahrnehmbaren Unterschieden in der Akustik führt, wird das „transparenten Hörsystem“ auf den individuellen Nutzer angepasst. Dazu wird ein spezielles In-situ-Kalibrierverfahren verwendet. Dieses vollständig integrierte und automatisierte Verfahren passt das System so an, dass das innen aufgenommene Signal dem für die akustische Transparenz notwendigen, gewünschten Zielsignal entspricht.


Mit dem „transparenten Hörsystem“ der Universität Oldenburg kann das individuelle Geräuschempfinden bei herkömmlichen Geräten deutlich verbessert werden. Die Technologie kann für Weiterentwicklung von Kopfhörern, Hörgeräten, Headsets, Gehörschützern und ähnlichen Produkten genutzt werden. Die Erfindung wurde bereits in einem vereinfachten Prototyp verwirklicht und zum Patent angemeldet. Die Weiterentwicklung soll in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen erfolgen. Der Prototyp wird erstmals  auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e.V. (DGA) vom 10. bis 11. März 2016 in der Medizinischen Hochschule Hannover präsentiert.

Die 19. Jahrestagung der DGA "Hören mit Hightech" findet vom 09. bis 12. März 2016 in Hannover statt. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Audiologen, Neurootologen und Otologen(ADANO), der European Federation of Audiological Societies und der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Industrieausstellung, die vom 10.-11. März 2016 im Foyer der MHH/Gebäude I02 stattfindet, bietet die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch sowie die Gelegenheit, neueste Entwicklungen und Informationen über Produkte in der Audiologie sowie verwandter Gebiete anhand von Exponaten und kompetenten Erläuterungen kennen zu lernen.