The Auditory Model Workshop

Am 12. und 13. Juni 2015 fand unter der Leitung von Prof. Dr. Sarah Verhulst (Universität Oldenburg) der „Auditory Model Workshop“ statt. Der international hochkarätig besetzte Workshop fungierte zudem als Satellitenveranstaltung des International Symposium of Hearing (Groningen). International renommierte Experten auf dem Gebiet der auditorischen Modellierung wie z.B. Christopher Shera (Eaton-Peabody Laboratory, Boston),Enrique Lopez-Poveda (Universität Salamanca), Laurel Carney (University of Rochester), Michael Heinz (Purdue University), Stephen Neely (Boystown National Research Hospital) und Jont Allen (University of Illinois) steckten das weite Feld der Modellierung in seiner Gänze ab, von der physikalischen Modellierung des Innenohres über funktionale Modelle der Sprachverarbeitung bis hin zur individuellen Modellierung von Schwerhörigkeit und des binauralen Einflusses. Der Bestandsaufnahme in Form von Perspektivvorträgen folgten intensive inhaltliche Diskussionen, die durch zahlreiche Posterbeiträge ergänzt wurden.

Trotz jahrzehntelanger Forschung auf dem Gebiet der Modellierung ist der menschliche Hörapparat zu komplex, als dass er in allen Facetten von einem einzigen, allumfassenden Modell beschrieben werden könnte. Daher haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder Entwicklungen hervorgetan, die einen bestimmten Aspekt besonders gut modellieren können. Beispiele dafür sind Modelle, die physikalische Analogien nutzen und daher effektive Modelle des Hörsystems darstellen (so z.B. das Oldenburger PEMO-Modell), oder solche, die physikalischen Details der Übertragungswege im Innenohr beschreiben (z.B. die sogenannten transmission line Modelle). Abstraktere Modelle beschreiben die Verarbeitung des Gehörten auf kognitiven Ebenen (z.B. Hirnstammmodelle). Der konkrete Austausch über die Möglichkeiten und Grenzen jedes Modells, orientiert an konkreten Fragestellungen aus der Wissenschaft und Klinik, stand im Fokus des Workshops. Dabei konnten große Fortschritte auf dem Gebiet der Sprachverarbeitung und Modellierung von Schwerhörigkeit verzeichnet werden. Dabei wurde in den Diskussionen immer wieder deutlich, dass nicht nur neue Modelle entwickelt werden, sondern das Wissen und der Austausch darüber, welches Modell für welche Anwendung am besten geeignet ist, von ganz zentraler Bedeutung sind.

Letztendlich helfen neue Modelle und deren konkrete Anwendung den Wissenschaftler, das Hörvermögen der einzelnen Person möglichst genau beschreiben zu können. Darauf aufbauend könnten zukünftig deutlich bessere, modellbasierte Verfahren in der Diagnostik und Therapie von Hörschädigungen entwickelt werden, wovon jeder Hörgerätenutzer profitieren kann.