Hörforscher Mathias Dietz und sein Team entwickeln neuartige EEG-Messkappe

Oldenburg. Neuerung auf dem Gebiet der Elektroenzephalogramm-Messung: Elektroenzephalogramme (EEG) dienen dazu, Hirnströme zu messen und auszuwerten. Wissenschaftlern des Exzellenzclusters Hearing4all an der Universität Oldenburg ist es gelungen, eine neuartige Kappe für die hochmoderne und hochkomplexe Messmethode zu entwickeln. Sie vereinfacht gerade bei Patienten mit Innenohrimplantaten – den sogenannten Cochlea-Implantaten – das wissenschaftliche Arbeiten und trägt so zur Verbesserung der Messergebnisse bei.

EEG-Messungen sind in der Hörforschung weit verbreitet. Wissenschaftler erhoffen sich durch das EEG neue Einblicke in die Vorgänge des Hörens und Verstehens. Bei normalhörenden Personen werden EEG-Messungen mithilfe einer „badekappenartigen“ Kopfbedeckung durchgeführt, an der sensible Messelektroden befestigt sind. EEG-Messungen bei stark schwerhörigen oder tauben Personen, die ein Cochlea-Implantat tragen, sind dagegen mit technischen Schwierigkeiten verbunden. Bei Cochlea-Implantaten werden Schallsignale außerhalb des Ohrs aufgenommen, in ein elektrisches Signal umgewandelt und an Elektroden im Inneren des Ohrs übertragen. Dies geschieht über eine Spule, die am Kopf, direkt hinter dem Ohr angebracht wird. Doch diese Spule kann bei Messungen mit herkömmlichen EEG-Messkappen verrutschen und zu ungenauen Messergebnissen führen. Oftmals drückt die Spule unter der EEG-Kappe unangenehm auf die Schädeldecke der Probanden. Das Spulenkabel, das ebenfalls unter der Messkappe verläuft, kann die Elektroden beeinträchtigen. Hinzu kommt, dass die Probanden bei den komplexen Vorbereitungen zu den EEG-Messungen eine Forschungsspule aufsetzen, die ihr gewohntes Hören beeinträchtigt; sie sind somit während des komplexen Versuchsaufbaus gehörlos.

Abhilfe schafft nun die neue EEG-Kappe, die Dr. Mathias Dietz, Nachwuchsgruppenleiter der Arbeitsgruppe Medizinische Physik, mit seinem Team in Kooperation mit der Easycap GmbH entwickelt hat. Die Wissenschaftler entwarfen eine Kappe, die die Spule des Cochlea-Implantats ausspart und die hochempfindlichen Elektroden nicht beeinflusst. Die Probanden können nun während der Messung das Implantat bequem tragen und die Spule bedienen. „Im Vergleich zu herkömmlichen EEG-Messkappen ist das neue Modell flexibler einsetzbar“, berichtet Dietz. Die neuartige Kappe erlaube ein deutlich angenehmeres und einfacheres wissenschaftliches Arbeiten und biete den Probanden deutlich mehr Komfort. Dietz und sein Team nutzen die neue Kappe in ihrer Forschung, um eine präzisere Abstimmung zwischen linkem und rechtem Cochlea-Implantat zu erlagen und so das binaurale Hören – also die Signalverarbeitung mit beiden Ohren gleichzeitig – zu ermöglichen. In ähnlicher Form könnte die neue Kappe auch für klassische monaurale Arten der audiologischen Anpassung von Cochlea-Implantaten zum Einsatz kommen. Um ein Cochlea-Implantat exakt auf den Patienten auszurichten, sind viele Sitzungen bei einem Audiologen nötig. „EEG-Messungen mit der neuen Messkappe können zukünftig dazu beitragen, die Cochlea-Implantate besser anzupassen“, erklärt Dietz. Gerade bei Kleinkindern, die dem Audiologen nicht antworten können, könnten sie den Anpassungsvorgang entscheidend vereinfachen.

Erschienen als Pressemitteilung der Universität Oldenburg.