Task Group 3: Funktionelle Charakterisierung des Individuums

Der Therapieerfolg von Hörgeräten und Cochleaimplantaten variiert bei Patienten mit ähnlichem Hörverlust sehr stark, selbst wenn Faktoren wie Alter bei Erstversorgung berücksichtigt werden, so dass eine zuverlässige Vorhersage des individuellen Nutzens einer künstlichen Hörversorgung sehr schwierig ist.

Konventionelle audiologische Faktoren können die beobachtete Varianz nicht vollständig erklären, weswegen andere, noch unbekannte Faktoren diese Unterschiede mit ausmachen müssen. Während in Task Group 1 audiologische Methoden standardisiert und verbessert werden, um zu neuen Diagnosemethoden der Peripherie zu gelangen, untersucht Task Group 3 kognitive, psycholinguistische, neuronale, genetische und soziodemographische Faktoren, die in gewöhnlichen audiologischen Untersuchungen nicht abgefragt werden. Es wird ein multifaktorieller und multidisziplinärer Ansatz vorgeschlagen, der die Lücke zwischen dem Therapieerfolg des individuellen Patienten und der Vorhersage des Modells für diesen Erfolg schließen soll.

Das interdisziplinäre „factor research panel“, das sich aus Grundlagenforschern mit Erfahrung im Bereich der kognitiven, neuronalen, genetischen und soziodemographischen Faktoren sowie Klinikern und Modellierern zusammensetzt, untersucht in iterativer Weise neue Ansätze der individuellen Modellierung, indem die Qualität neuer Modellansätze bei der Vorhersage der Rehabilitationsleistung beurteilt wird und die Ergebnisse dieser Analysen wiederum in die Verbesserung der Modelle einfließen. Da der Zusammenhang zwischen individuellen Faktoren und Hörleistung auch bei normalhörenden Versuchspersonen unklar ist, werden in dieser Task Group sowohl Patienten als auch gesunde normalhörende Probanden untersucht. Die untersuchten Faktoren umfassen kognitive Maße wie selektive Aufmerksamkeit, multisensorische Integration, verbale Lerntests und phonologisches Arbeitsgedächtnis; weiterhin psycholinguistische Tests des Einflusses von Satzkomplexität und Grammatik auf das Sprachverstehen; darüber hinaus noch neuronale Faktoren, die mit modernsten Methoden der neuronalen Bildgebung und Neurophysiologie untersucht werden.

Die so erarbeiteten Faktoren werden in die theoretischen Modelle eingearbeitet, so dass untersucht werden kann, welche dieser Faktoren verlässliche Aussagen über die Hörleistung mit Versorgung machen kann. Das zentrale Ziel ist ein minimaler Satz an Parametern und Untersuchungsmethoden, auf deren Basis ausreichende qualitative und quantitative Informationen über den Outcome der Versorgung eines gehörgeschädigten Patienten möglich sind. Mit derartigen Informationen kann für jeden Patienten die beste individuelle Therapie gefunden werden. Dies schließt nicht nur die simple Entscheidung über Voreinstellungen von Hörgeräten ein, sondern hilft auch bei der Entscheidung „Hörgerät oder CI“ und kann sogar individuelle Lernstrategien empfehlen, die aufgrund von kognitiven oder linguistischen Trainings eine bessere Gewöhnung an und einen erfolgreicheren Umgang mit dem Gerät ermöglichen.

 

Task-Group-Leiter

Prof. Dr. Christiane Thiel

Oldenburg/UOL: Biologische Psychologie Kontakt
Institute of Psychology - Faculty V
Carl von Ossietzky University Oldenburg
26111 Oldenburg
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Prof. Dr. Reinhard Dengler

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Medizinische Hochschule Hannover
Neurologie OE 7210
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D-30625 Hannover
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